11. Sozialer Einfluss
Beiläufiger sozialer Einfluss - Warum kommt es zu sozialem Einfluss? - Absichtlicher sozialer Einfluss
In Kürze
- 11.1 Einleitung
- 11.2 Beiläufiger sozialer Einfluss
- 11.3 Warum kommt es zu sozialem Einfluss?
- 11.4 Absichtlicher sozialer Einfluss
Einflussreich ...
- In diesem Kapitel wurden zwei Hauptarten des sozialen Einflusses behandelt, der »beiläufige« und der »absichtliche« Einfluss, und wie sie im Sinne grundlegender Motive verstanden werden können.
- Sozialer Einfluss bezieht sich auf die Veränderung von Einstellungen, Überzeugungen, Meinungen, Werten und Verhaltensweisen als Ergebnis dessen, dass man mit den Einstellungen, Überzeugungen, Meinungen, Werten und Verhaltensweisen anderer Menschen konfrontiert ist. Er bildet die Schnittstelle zwischen individualistischen und Gruppenansätzen in der Sozialpsychologie.
- Der beiläufige soziale Einfluss bezieht sich auf Situationen, in denen Menschen beeinflusst werden, obwohl es gar keinen expliziten Einflussversuch gegeben hat.
- Menschen werden durch die Anwesenheit oder erschlossene Anwesenheit anderer beeinflusst. Sie neigen dann dazu, bei einfachen bzw. gut gelernten Aufgaben eine bessere Leistung zu zeigen, jedoch eine schlechtere bei komplexen bzw. neuartigen Aufgaben.
- Soziale Normen sind das grundlegendste Konzept für die Untersuchung des sozialen Einflusses. Sie können deskriptiv oder injunktiv sein, wir können sie aus dem Verhalten anderer Menschen erschließen, sie etablieren sich leicht und können einfach weitergegeben werden.
- Sozialer Einfluss ist durch einige der elementaren Motive geleitet, die das menschliche Sozialverhalten steuern. Letztlich bewirkt der Einfluss durch andere, dass wir uns effektiv verhalten, Beziehungen zu anderen aufbauen und aufrechterhalten, unser eigenes Selbstkonzept steuern und die soziale Welt besser verstehen.
Absichtliches Beeinflussen
- Zum absichtlichen sozialen Einfluss gehört die Compliance gegenüber Bitten, der Einfluss zahlenmäßiger Mehrheiten und Minderheiten, das Treffen von Entscheidungen in Gruppen und der Gehorsam gegenüber Autorität.
- Es gibt Belege für jede der drei zentralen Techniken der Compliance - Door-inthe- Face, Foot-in-the-Door und »Den Ball flach halten« -, die in hohem Maße auf allgemeinen Prinzipien wie Equity, Reziprozität und Selbstkonsistenz beruhen. Sowohl zahlenmäßige Mehrheiten als auch Minderheiten können einen Einfluss ausüben, und bei den zentralen Erklärungen dafür geht es um Konflikt und soziale Kategorisierung. Mehrheiten neigen dazu, einen größeren Einfluss bei öffentlich durchgeführten und bei direkten Messverfahren auszuüben, Minderheiteneinfluss lässt sich jedoch stärker auf indirekten, privaten Maßen nachweisen.
- Gruppen neigen zu polarisierten Entscheidungen infolge normativen Einflusses, informationalen Einflusses und Einflusses der Bezugsgruppe. Das so genannte Gruppendenken ist eine extreme Form der schlechten Entscheidungsfindung; doch dieses Modell hat einige grundlegende Schwächen.
- Gehorsam gegenüber unmoralischen Autoritäten wird hauptsächlich durch situative Faktoren gesteuert, aber wir haben immer noch keine eindeutige Erklärung dafür, warum es dazu kommt. Die Forschung zu diesem Thema wirft einige wichtige ethische Fragen auf. Einige kürzlich durchgeführte Arbeiten über das Whistle-Blowing unterstreichen die potentiell hohe moralische Bedeutung von Ungehorsam.
- Sozialer Einfluss ist ein zweischneidiges Phänomen. Von sozialem Einfluss hängt die Existenz einer Gesellschaft entscheidend ab. Er kann etwas sein, was für gute Zwecke (z.B. Spenden für wohltätige Zwecke) verwendet wird, aber auch für schlechte Zwecke (z.B. Tyrannei der Mehrheit) oder gar für Böses (z.B. Gehorsam gegenüber Autorität, der zu unmoralischem Verhalten führt).