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16. Stress und Gesundheit

Stress und Krankheit: Stressorgen, Krankheitsanfälligkeit - Stress und Gesundheit: Stressbewältigung, gesundheitsschädigende Verhaltensweisen

In Kürze

Inhalt

  • 16.1 Stress und Krankheit
    • 16.1.1 Stress und Stressoren
    • 16.1.2 Stress und Herzkrankheiten
    • 16.1.3 Stress und Krankheitsanfälligkeit
  • 16.2 Gesundheitsförderung
    • 16.2.1 Bewältigung von Stress
    • 16.2.2 Umgang mit Stress
    • 16.2.3 Änderung gesundheitsschädigender Verhaltensweisen

Zusammenfassung

  
Stress und Krankheit
  • Krankheits- und Todesursachen, die mit dem Verhalten zusammenhängen: Unsere Verhaltensweisen wie Rauchen, regelmäßiger Sport, Ernährung und Konfrontation mit ständigem Stress können einen Einfluss haben auf unsere Anfälligkeit für Herzerkrankungen, Krebs, Schlaganfälle und chronische Lungenerkrankungen (momentan die 4 wichtigsten Todesursachen), sie können uns aber auch anfällig machen für Bluthochdruck, Hautausschläge und andere Erkrankungen.
  • Stress ist weder eine Handlung noch ein Zustand; es handelt sich jedoch um einen Prozess, mit dem wir auf belastende Ereignisse reagieren. Und diese nennt man Stressoren. Ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses besteht darin, ob wir ein Ereignis als bedrohlich, herausfordernd oder als unwichtig bewerten. Unsere Bewertungen tragen dazu bei, zu bestimmen, ob unsere Reaktion aus gesunden Gefühlen einer mobilisierten und zielgerichteten Erregung oder aus überwältigenden Gefühlen der Belastung bestehen.
  • Das Zwei-Bahnen-System und die 3 Phasen des allgemeinen Adaptationssyndroms: Unsere Reaktion auf Stress ist ein Paradebeispiel für die Wechselwirkung zwischen Körper und Seele. Die erste (und schnellere) Bahn des Stress-Reaktionssystems ist die Kampf-Flucht-Reaktion, die von Walter Cannon entdeckt wurde und bei der der Sympathikus an mehreren Fronten auf einen Stressor reagiert: Die inneren Teile der Nebennieren schütten Adrenalin und Noradrenalin aus, Herzschlag und Atmung werden schneller, Blut wird von den Verdauungsorganen abgezogen und zu den Skelettmuskeln geleitet, die Sensibilität gegenüber Schmerzen nimmt ab, und der Körper setzt gespeicherte Zucker und Fette frei. Bei der langsameren Bahn des Systems über den zerebralen Kortex regt die Wahrnehmung eines Stressors den Hypothalamus und die Hirnanhangdrüse dazu an, in den äußeren Teilen der Nebennieren Glukokortikoid-Stresshormone wie das Kortisol freizusetzen. Die 3 Phasen des allgemeinen Adaptationssyndroms sind
    • Alarm (zeitweiliger Schockzustand, bei dem der Körper Ressourcen mobilisiert),
    • Resistenz (Zeit der Bewältigung des Stressors) und
    • Erschöpfung (Entleerung der Reserven nach einem länger andauernden Stress).
  • Große Katastrophen können Depression und Angst zunehmen lassen und Konzentrations- und Schlafprobleme verursachen. Bedeutsame persönliche Ereignisse im Leben wie ein Verlust (Tod eines geliebten Menschen, Scheidung, Arbeitsplatzverlust) oder sogar Veränderungen (Heirat, Umzug) können Menschen für Krankheiten anfällig werden lassen. Doch bei den meisten Menschen ist der tägliche Ärger - die kontinuierliche Abfolge kleiner alltäglicher Stressoren - die wichtigste Ursache für Stress; er kann die Gesundheit (z. B. durch die Erhöhung des Blutdrucks) und das Wohlbefinden beeinträchtigen.
  • Durch Stress kann das Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße zunehmen. Der entscheidende Faktor bei dieser Verbindung zwischen Stress und Erkrankung sind negative Emotionen - Depression, Pessimismus, aber vor allem Wut. Die Studie von Friedman und Rosenman, bei der zum ersten Mal der Zusammenhang zwischen Wut und Herzkrankheiten nachgewiesen wurde, stellte die Typ-A-Persönlichkeiten (wettbewerborientiert, ehrgeizig, ungeduldig und zur Wut neigend) den Typ-B-Persönlichkeiten (gelassen und entspannt) gegenüber. Unter Stress sind Menschen vom Typ A physiologisch reaktionsbereiter; sie schütten Hormone aus, die den Aufbau von Plaques in den Arterienwänden beschleunigen, zu hohem Blutdruck sowie zu einem erhöhten Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkte führen.
  • Psychologen verwenden den Begriff psychophysiologische Krankheit, um mit Stress zusammenhängende körperliche Krankheiten zu beschreiben, wie etwa Hypertension (Bluthochdruck) und einige Arten von Kopfschmerzen. Diese realen Krankheiten unterscheiden sich von der Hypochondrie bzw. davon, dass man normale körperliche Empfindungen als Symptome einer Krankheit fehldeutet.
  • Die Auswirkung von Stress auf die Funktionstüchtigkeit des Immunsystems: Die B-Lymphozyten des Immunsystems (sie werden im Rückenmark gebildet) setzen Antikörper frei, die bakterielle Infektionen abwehren. Die T-Lymphozyten (sie werden im Gewebe der Thymusdrüse und der Lymphknoten gebildet) bekämpfen Krebszellen, Viren und fremde Substanzen. Andere Agenzien des Immunsystems, die Makrophagen, fressen schädliche Eindringlinge, verbrauchte Zellen und andere Abfallstoffe. Stress führt nicht auf dem direkten Weg zu einer Krankheit; aber wenn er Energie von den Aktivitäten des Immunsystems abzieht, werden wir anfälliger für Infektionen und Krankheiten.
  • Zusammenhang zwischen Stress und Aids: Aids wird durch den HI-Virus verursacht, nicht durch Stress. Aber Stress und negative Emotionen können den Prozess von der Infektion durch das Virus bis zur eigentlichen Aids-Erkrankung beschleunigen. HIV-positiven Menschen nutzt eine medikamentöse Behandlung mehr, aber Programme, die den Stress verringern, scheinen in gewisser Weise zu helfen.
  • Zusammenhang zwischen Stress und Krebs: Stress erzeugt keine Krebszellen. Die Forscher sind sich nicht einig, ob Stress das Fortschreiten der Krankheit beeinflusst; aber sie stimmen darin überein, dass die Vermeidung von Stress und eine entschlossene Haltung die zerstörerischen Prozesse, die bei einem Krebs im fortgeschrittenen Stadium ablaufen, nicht umkehren können.
  • Forscher haben die Unterdrückung des Immunsystems in Laborexperimenten konditioniert. Ermutigt durch diese Ergebnisse arbeiten andere an Methoden, mit deren Hilfe man die Stärkung des Immunsystems konditionieren kann.
  
Gesundheitsförderung
  • Wenn wir problemfokussierte Bewältigung einsetzen, versuchen wir, Stress dadurch zu verringern, dass wir direkt die Ereignisse verändern, die Stressreaktionen auslösen, oder die Art und Weise ändern, wie wir auf diese Ereignisse reagieren. Wir setzen emotionsfokussierte Bewältigung (Schaffen von Distanz zwischen uns und einem Stressor oder von Aufmerksamkeit für unsere eigenen emotionalen Bedürfnisse) ein, wenn wir - zu Recht oder nicht - glauben, dass wir eine stressreiche Situation nicht ändern können.
  • Ein subjektiv wahrgenommener Mangel an Kontrolle wurde in Verbindung gebracht mit einer erhöhten Anfälligkeit gegenüber bakteriellen Infektionen, Herz-Kreislauf-Krankheiten und möglicherweise mit einer kürzeren Lebensspanne aufgrund eines höheren Niveaus der Stresshormone sowie verminderter Reaktionen des Immunsystems.
  • Zusammenhang zwischen Erklärungsstil, Stress und Gesundheit: Verglichen mit Menschen, die einen pessimistischen Erklärungsstil haben, neigen Optimisten dazu, ein stärkeres Gefühl der Kontrolle über Stressoren zu haben, stressreiche Ereignisse besser zu bewältigen, in besserer Stimmung zu sein, ein stärkeres Immunsystem zu haben und länger zu leben als Pessimisten. Lachen (aber nicht Sarkasmus) kann Stress verringern und das Immunsystem stärken.
  • Soziale Unterstützung als Puffer gegen Stress: Unterstützende Mitglieder der Familie, Ehepartner, enge Freunde und treue Haustiere helfen Menschen dabei, stressreiche Ereignisse zu bewältigen. Soziale Unterstützung führt zu einer besseren Funktionsfähigkeit des Immunsystems, beruhigt das Herz-Kreislauf-System und senkt den Blutdruck.
  • Zu Programmen für den Umgang mit Stress gehört oft ein aerobes Training (Ausdauertraining, bei dem die Fitness von Herz und Lungen verbessert wird), das das Energieniveau zunehmen lässt, das Selbstbewusstsein steigert, den Blutdruck senkt und Depressionen und Ängste abbauen kann. In Studien wurde das aerobe Training mit gesenktem Blutdruck, zunehmender Erregung, einem höheren Spiegel von Neurotransmittern, die die Stimmung aufhellen (wie etwa Noradrenalin, Serotonin und die Endorphine), verbesserten kognitiven Fähigkeiten und (bei Mäusen) Wachstum neuer Gehirnzellen in Verbindung gebracht.
  • Biofeedback hat Menschen dabei geholfen, Spannungskopfschmerz in den Griff zu bekommen, aber auch einfache Entspannungsübungen waren gleichermaßen wirkungsvoll beim Kampf gegen Bluthochdruck, Angst, Schlaflosigkeit und bei der Senkung der Rate wiederkehrender Herzinfarkte. Manche Menschen nutzen komplementäre bzw. alternative Medizin, die genau wie die Schulmedizin ihre Wirkung empirisch nachweisen muss. Studien an Menschen, die gerade meditierten, haben gezeigt, dass dies im Vergleich zur Kontrollgruppe mit einer verstärkten Aktivität im linken Frontallappen und mit einer verbesserten Funktionsfähigkeit des Immunsystems verbunden ist.
  • Die Korrelation zwischen Religiosität und Langlebigkeit: Regelmäßige Teilnahme an religiösen Veranstaltungen hat sich als zuverlässiger Prädiktor für eine längere Lebensspanne erwiesen. Forscher, die versuchten, die Ursache-Wirkungsbeziehung zu bestimmen, isolierten 3 intervenierende Variablen:
    1. Religiös aktive Menschen haben eine gesunde Lebensweise
    2. Glaubensgemeinschaften haben oft die Funktion von Netzen sozialer Unterstützung und stützen häufig die eheliche Beziehung (die, wenn sie glücklich ist, mit besserer Gesundheit und einer längeren Lebensspanne einhergeht). 
    3. Die Teilnahme an religiösen Veranstaltungen - zusammen mit der damit verbundenen konsistenten Weltanschauung, dem Gefühl der Hoffnung für die Zukunft, Gefühlen der Akzeptanz und einem entspannten meditativen Zustand - kann Gefühle positiver Emotionen verstärken und Gefühle von Stress und Angst abbauen.
  • Die Anziehungskraft des Rauchens geht bei Teenagern teilweise auf soziale Belohnungen zurück - die Identifizierung mit und die Akzeptanz durch »coole« Menschen. Je nach genetischer Anlage wird 1 von 3 frühen Rauchern eine physiologische Abhängigkeit vom Nikotin entwickeln, die ebenso schwer zu bekämpfen ist wie die Abhängigkeit von Heroin oder Kokain. Indem Nikotin die Freisetzung von Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Opioiden auslöst, stillt es das unangenehm starke Verlangen nach Tabak und belohnt den Raucher.
  • Viele Ansätze bieten Rauchern eine kurzfristige Hilfe dabei, mit dem Rauchen aufzuhören, doch die langfristigen Erfolge lassen auf sich warten. Hilfreiche Tipps für die Raucherentwöhnung sind u. a., sich einen Termin für das Aufhören zu setzen, die Familie und Freunde über die Entscheidung zu informieren und alle Zigaretten aus der Umgebung zu entfernen. Raucherentwöhnungsprogramme für junge Leute
    1. informieren über die Auswirkungen des Rauchens, 
    2. bilden weiter über den Einfluss der Gleichaltrigen, der Eltern und der Medien und 
    3. setzen Modelllernen und Rollenspiel ein, um die Fähigkeit aufzubauen, etwas abzulehnen. Wenn man die Tabaksteuer erhöht, so wird der Verbrauch ebenfalls in wirksamer Weise gesenkt.
  • Fett ist eine konzentrierte Energiereserve. Und ein Körper, der diese Reserve abspeichern kann, kann sie in Zeiten von Hungersnöten nutzen. Diese Tendenz diente unseren Vorfahren, die ihre Nahrung sammelten und jagten, der Anpassung; sie ist aber für die modernen Menschen in einer Welt voller leicht verfügbarer Lebensmittel fehlangepasst. Zusammen mit einem Mangel an sportlicher Aktivität hat der Überfluss an Nahrungsmitteln mit vielen Kalorien zu einer hohen Adipositasrate geführt (definiert als Body Mass Index von 30 und mehr) mit einem erhöhten Risiko für Diabetes, Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Gallensteinen, Arthritis, Schlafstörungen und bestimmte Arten von Krebs.
  • Ziel 21: Beschreiben Sie einige der sozialen Auswirkungen der Adipositas. Adipositas bedroht sowohl das Wohlbefinden als auch die körperliche Gesundheit. Adipöse Menschen, vor allem adipöse Frauen, stoßen auf Diskriminierung wegen ihres Körpergewichts, wenn sie sich auf eine Stelle bewerben, wenn sie einen Partner für eine Liebesbeziehung suchen und wenn sie mit der Familie interagieren.
  • Die Rolle der Vererbung und der Umwelt als bestimmende Faktoren beim Körpergewicht: Studien mit Zwillingen und Adoptivkindern deuten darauf hin, dass Übergewicht zumindest teilweise ein vererbtes Merkmal ist. Aber die Gene haben nur einen Einfluss auf das Körpergewicht - sie legen es nicht fest. Beispielsweise verfügen einige Menschen über eine Anlage dafür, mehr und größere Fettzellen zu haben als andere Menschen. Bei einer adipösen Person jedoch sind die ursprünglichen Fettzellen zwei oder drei Mal so groß, und sie teilen sich dann (und veranlassen die benachbarten unreifen Fettzellen, sich zu teilen); dies ist ein nicht umkehrbarer Umwelteffekt. Menschen unterscheiden sich auch beim Grundumsatz; aber wenn jemand Gewicht in Form von Fettzellen zulegt, wird weniger Energie benötigt, um dieses Gewebe zu erhalten, als bei Muskelgewebe. Auch Umweltfaktoren sind wichtig, wie etwa die häufige Aufnahme kalorienreicher Nahrung und eine sitzende Lebensweise. Die Gene bestimmen am ehesten darüber, warum ein Mensch schwerer ist als ein anderer. Doch hauptsächlich die Umwelt sorgt dafür, dass ein Mensch heute schwerer ist, als sein Großvater es im selben Alter war.
  • Erfolgschancen eines übergewichtigen Menschen, der abnehmen möchte: Teilnehmer an strukturierten Programmen zum Abnehmen sind mit einer sehr hohen Misserfolgsquote konfrontiert; aber diese Personen stellen eine Gruppe mit einem besonders hohen Risiko dar (sie waren vielleicht, bevor sie sich für das Programm entschieden, nicht in der Lage, sich selbst zu helfen). Zudem deuten Umfragen darauf hin, dass 25-60% der Menschen, die einmal erheblich übergewichtig waren, mit Erfolg abgenommen und ihr Gewicht über mindestens 1 Jahr gehalten haben, einige sogar über 5 Jahre. Es gibt durchaus auch übergewichtige Menschen, die erkennen, dass Fettleibigkeit keine Frage der Willenskraft ist, und sich dafür entscheiden, ihr Gewicht zu akzeptieren. Andere, die abnehmen möchten, können ihre Chancen verbessern, indem sie z.B. die Konfrontation mit verlockenden Hinweisreizen auf ein Minimum beschränken oder den Energieverbrauch durch sportliche Aktivität steigern.

 

Material

In Kürze
Zusammenfassung des Kapitels
Glossar
Die wichtigsten Fachbegriffe schlüssig erklärt
Memocards
Lernen Sie mit unseren Memocards die wichtigsten Begriffe der Myers, die Zweite
Memocards Deutsch/Englisch
Man spricht Englisch - zumindest in der Wissenschaft: Hier können Sie die Übersetzungen der wichtigsten Fachbegriffe lernen.
Verständnisfragen
Haben Sie den Stoff schon drauf? Hier können Sie Ihr Wissen überprüfen.
MC-Quiz (1/2)
MC-Quiz (2/2)
Lesen, lernen und jetzt in unseren Multiple-Choice-Quiz das Kreuzchen an der richtigen Stelle machen.
Links
Was es sonst noch so gibt in der schönen neuen World Wide Welt der Myers, die Zweite.