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23. Psychologie in den Medien
Psychologie in nichtfiktionalen und fiktionalen Medienformaten - Call-in, Therapie und Counseling in den Massenmedien - Auftritte von Psychologen und Psychologinnen in den Massenmedien
In Kürze
Inhalt
- 23.1 Psychologie in nichtfiktionalen Medienformaten
- 23.2 Psychologie in fiktionalen Formaten
- 23.3 Call-in, Therapie und Counseling in den Massenmedien
- 23.4 Auftritte von Psychologinnen und Psychologen in den Massenmedien
Zusammenfassung
Psychologinnen und Psychologen sowie psychologische Themen und Inhalte sind sowohl in fiktionalen als auch in nichtfiktionalen Medienkontexten präsent. Inhaltsanalysen belegen die regelmäßige Präsenz psychologischer Themen in Tageszeitungen und Zeitschriften. Während in Zeitungen insbesondere die psychologische Charakterisierung bzw. Begutachtung von Akteuren im Vordergrund steht, finden sich in Zeitschriften besonders häufig Beratungsthemen zu Partnerschaft, Sexualität, Erziehung und allgemeiner Lebenshilfe. Empirische Ergebnisse zur Berichterstattung über psychische Erkrankungen und psychisch Erkrankte in nichtfiktionalen Medienformaten lassen auf eine negativ selektive Darstellung schließen. So nehmen kriminelle Gewalttäter einen überproportional großen Anteil bei der Berichterstattung über psychisch Erkrankte ein.
Auch fiktionale Medienformate berichten über psychologische Themen. Bei der Darstellung überwiegt das freudianisch geprägte Stereotyp des männlichen Therapeuten mit weißem Bart und Brille. Mindestens ebenso präsent wie die Therapeutenfigur ist die Figur des psychisch Erkrankten in fiktionalen Medien. Dabei ist häufig eine Verknüpfung von psychischer Krankheit und Gewalt zu beobachten, wobei Personen mit psychischer Erkrankung überproportional häufig die Rolle des Mörders oder Gewalttäters einnehmen. Eine ebenso überwiegend negativ gefärbte Darstellung erfährt die psychotherapeutische Behandlung. So wird Psychotherapie oft als weitgehend wirkungslos dargestellt. Patienten werden in fiktionalen Darstellungen häufig gegen ihren Willen behandelt, therapeutische Einrichtungen als Orte des Schreckens und der Qual charakterisiert.
Call-in-Radiosendungen und Talkshows stellen einen weiteren medialen Kontext für die Aufarbeitung psychologischer Themen dar. Der Moderator übernimmt die Rolle des Beraters oder Mediators und gelangt so implizit in die Position des Psychotherapeuten. Für die Rezipienten erfüllen diese Formate häufig eine Orientierungsfunktion, bieten die Möglichkeit, sich mit den Schicksalen der Gäste zu identifizieren und sich für eigene Lebenskrisen zu wappnen. Laienpersonen, die aktiv an Talkshows teilnehmen und intime Details aus ihrem Privatleben preisgeben, erwarten, dass ihre Probleme gelöst werden.
Im Gegensatz zu Counseling in Radio und Fernsehen stellt psychologische Beratung im Internet eine aussichtsreiche Alternative für professionelle psychologische und psychotherapeutische Beratung dar. Die Online-Therapie ist insbesondere für solche Patienten eine gewinnbringende Ergänzung, die rund um die Uhr auf einen Ansprechpartner angewiesen sind oder deren Hemmschwelle zur direkten Kontaktaufnahme mit einer therapeutischen Praxis zu hoch ist.
Neben der Rolle des Therapeuten findet sich eine Reihe weiterer Motive und Beweggründe für Psychologinnen und Psychologen, in den Massenmedien aufzutreten. Dabei sind Psychologen etwa im Bereich des Fernsehens sowohl »hinter den Kulissen« als wissenschaftliche Berater oder Produzenten eigener Beiträge als auch vor der Kamera als Experten bzw. Interviewte, aber auch als Interviewer vertreten. Journalisten nutzen somit das wissenschaftliche Renommee von Psychologinnen und Psychologen, um die Glaubwürdigkeit und Plausibilität ihrer Beiträge zu erhöhen. Gut etablierte, erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit hohem Publikationsaufkommen werden besonders häufig interviewt.
Zwar ist bei Psychologinnen und Psychologen eine steigende Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Medien zu verzeichnen, gleichzeitig birgt die Kooperation Konfliktpotenzial. So unterscheiden sich wissenschaftlich arbeitende Psychologen und Journalisten deutlich in ihrer Arbeitsweise. Die dabei entstehenden Interessenkonflikte hinterlassen auf Seiten des Wissenschaftlers häufig den Eindruck, die eigenen Aussagen seien verkürzt dargestellt worden oder der Journalist habe bei der Berichterstattung die falschen Schwerpunkte gesetzt. Orientierung für den Umgang mit den Medien bieten auf der einen Seite ein gezieltes Mediencoaching und auf der anderen Seite ethische Kodizes, wie sie etwa von den psychologischen Fachgesellschaften formuliert wurden.