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21. Bedeutung der Medien für klinisch-psychologische Interventionen
Medienunterstützung - in der Diagnostik, der Intervention und der Evaluation
In Kürze
Inhalt
- 21.1 Einleitung
- 21.2 Medienunterstützung in der Diagnostik
- 21.3 Medienunterstützung in der Intervention
- 21.4 Medienunterstützung in der Evaluation
- 21.5 Ausblick
Zusammenfassung
- Der Einsatz von Medien im therapeutischen Bereich ist nicht neu. Somit wird auch die Nutzung digitaler Medien zunehmend selbstverständlicher werden, die mit Schlagworten wie »Sozialinformatik«, »Medizininformatik«, »Telemedizin« oder »E-Health« belegt ist. Der klinisch-psychologische und psychiatrische Bereich ist dabei eingeschlossen.
- In der Telepsychiatrie zeigen sich internationale Entwicklungen, die im deutschsprachigen Raum bislang kaum erprobt oder etwa breiter umgesetzt wurden. Beispiele sind konsiliarische Dienste, Patientenvermittlung, Diagnostik, Supervision und die Ausbildung von Ärzten und Psychologen via Videokonferenz. Insgesamt wird von positiven Erfahrungen nicht nur bezüglich der praktischen Anwendung, Akzeptanz auf Fach- wie Patientenseite und Kostenersparnissen für die Nutzung von Videokonferenzen in diesen Anwendungskontexten berichtet, sondern es liegen auch empirische Evidenzen für sensible Einsatzformen wie die Diagnosestellung über telekommunikative und audiovisuelle Technologien vor.
- In Zukunft gilt es, diese neuen Möglichkeiten der klinischen Telepsychologie und -psychiatrie - als Ergänzung und Erweiterung der herkömmlichen Versorgungsstrukturen - angepasst an das deutsche Gesundheitssystem wissenschaftlich und praktisch weiterzuentwickeln, zu evaluieren und bei positiven Evaluationsergebnissen dann auch zu veralltäglichen.
- Dabei hat neben der Erforschung von Kriterien für die intra- und interindividuelle Einbindung von Medien im Rahmen psychotherapeutischer Behandlung die Berücksichtigung ethischer wie sozialer Aspekte besondere Relevanz. Zum einen müssen mediale Angebote im Rahmen der Versorgung von psychisch Kranken für alle Menschen gleich nutzbar und zugänglich sein, d. h. es muss ein gesundheitsbezogener »digital devide« verhindert werden. Zum anderen muss bei aller Verlockung technischer Möglichkeiten die Würde des Patienten berücksichtigt bleiben: Alkoholkranke Menschen aufzufordern, sich möglichst an ihr persönliches Limit zu betrinken, um sie mit Videoaufnahmen zur Krankheitseinsicht zu motivieren bleibt ethisch höchst fragwürdig.
- Insgesamt ist davon auszugehen, dass im Zuge der allgemeinen Mediatisierung der Gesellschaft viele Menschen auch bei der klinisch-psychologischen Versorgung auf einen flexiblen Einsatz unterschiedlicher Medien verstärkt Wert legen. Daher ist wichtig, dass sowohl angehende klinische Psycholog(inn)en als auch Medienpsycholog(inn)en die verschiedenen Einsatzmöglichkeiten von Medien in therapeutischen Prozessen mit ihren spezifischen Potenzialen, aber auch Grenzen kennen und das Know-how haben, ihre Effekte wissenschaftlich zu evaluieren.