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51. Persönlichkeitsstörungen
P. Fiedler
In Kürze
Persönlichkeit, Persönlichkeitsstile und Persönlichkeitseigenschaften gestatten es einem Menschen normalerweise, im Alltag zu funktionieren, zu wachsen und sich an das Leben anzupassen. Die Persönlichkeit mancher Menschen wird jedoch starr und unflexibel. Statt ihnen die Möglichkeit zu eröffnen, kreativ und unabhängig auf Herausforderungen zu reagieren, bedingen es die charakteristischen Persönlichkeitsstile geradezu, dass die Betreffenden unglücklich, unerfüllt oder außerstande sind, ihr Leben aus eigener Kraft zu gestalten. Statt anpassungsförderliche Persönlichkeitsstile herauszubilden, entstehen bei diesen Menschen Persönlichkeitsstörungen. Unter Persönlichkeitsstörungen werden vor allem sozial unflexible, wenig angepasste und im extrem normabweichende Verhaltensauffälligkeiten verstanden. In den Diagnosesystemen werden Persönlichkeitsstörungen als wiederholt beobachtbare, persontypische Interaktionsauffälligkeiten beschrieben, die als unflexibel und sozial als wenig angepasst gelten können. Die Diagnose sollte jedoch erst dann gestellt werden, wenn sich die zwischenmenschlichen Beziehungsstörungen in der Weise extremisieren, dass die berufliche und private Leistungsfähigkeit der Betroffenen erheblich beeinträchtigt ist. Üblicherweise lassen sich die typischen Verhaltensmuster bereits in der Kindheit und Jugend beobachten. Dennoch sollte die Störungsdiagnose erst nach einer längeren Zeit der Personentwicklung ab dem frühen Erwachsenenalter erfolgen.
In den Behandlungsvorschlägen und Fallbeschreibungen dominiert eindeutig die individuelle Behandlungsform. Unterschiedlichen Therapieansätzen ist vor allem das Ziel gemeinsam: Nicht die Persönlichkeitsstörungen selbst sollten behandelt werden, sondern die mit ihnen gegebenen komplexen Störungen des Beziehungsverhaltens. Entsprechend lautet die allgemeine Empfehlung, das therapeutische Vorgehen und Setting den spezifischen Problembereichen und individuellen Möglichkeiten der Patienten anzupassen. Das heißt z.B., die Patienten im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen direkt zu beraten bzw. neue Verhaltensmuster oder emotionale Interaktionsstile direkt einzuüben.
- 51.1 Störungsbild
- 51.2 Klassifikation
- 51.3 Diagnostik
- 51.3.1 Strukturierte Interviews
- 51.3.2 Fragebögen zur Selbstbeurteilung
- 51.3.3 Fragebögen versus Interviews
- 51.4 Epidemiologie
- 51.5 Ätiologie
- 51.5.1 Genetische Einflüsse
- 51.5.2 Psychologische Einflüsse auf die Sozialisation
- 51.5.3 Belastende und traumatische Erfahrungen
- 51.5.4 Mangelnde soziale Integration
- 51.5.5 Biopsychosoziales Rahmenmodell
- 51.6 Verlauf und Prognose
- 51.7 Behandlung
- 51.7.1 Allgemeine Therapieziele
- 51.7.2 Suche nach einem geeigneten Behandlungsfokus
- 51.7.3 Verfahrensspezifische Indikation
- 51.7.4 Differenzielle Indikation
- 51.7.5 Möglichkeiten psychosozialer und medizinischer Hilfeleistung über die Psychotherapie hinaus
- 51.8 Resümee