Sie befinden sich hier
lehrbuch-psychologie.de  > Arbeits- und Organisationspsychologie  > Lerncenter > Methoden

3. Methoden

Formulierung von Problemstellung und Hypothese - Studiendesign - Datensammlung und Datenauswertung - Interpretation und Kommunikation der Ergebnisse - Metaanalyse

Glossar

Aktive Fehler
Aktive Fehler sind Fehlhandlungen, die von Operateuren direkt im Arbeits- bzw. Produktionsprozess an der Mensch-Maschine-Schnittstelle begangen werden.
Alternativhypothese
Die Alternativhypothese besagt, dass eine systematische Beziehung (z. B. Zusammenhang oder Unterschied) zwischen mindestens zwei Variablen in einer Population besteht.
Antezedenzvariable
Als Antezedenzvariable (unabhängige Variable, Prädiktor) bezeichnet man die Wenn- bzw. Bedingungskomponente einer empirischen Wenn-Dann-Aussage (Hypothese). Wenn beispielsweise Aufgaben schwierig, aber erreichbar sind, strengen sich Personen mehr an als bei leichten Aufgaben. Die Variable Aufgabenschwierigkeit ist hier die Antezedenzvariable.
Arbeitsphysiologische Messmethoden
Sie dienen der Erfassung körperlicher und biochemischer Reaktionen des Organismus (z.B. Herzschlagfrequenz, Hautleitfähigkeit, Körpertemperatur etc.). Sie werden eingesetzt, um spezifische (objektive) Beanspruchungen der Arbeitenden zu erheben.
Assessment-Center-Verfahren
Das Assessment-Center-Verfahren besteht aus einer Kombination mehrerer verhaltensorientierter Simulationsübungen. Jeweils mehrere Teilnehmer werden gleichzeitig von mehreren geschulten Beobachtern in Bezug auf mehrere vorab definierte Anforderungen hin beurteilt. Wichtige Simulationselemente sind die Postkorbübung, die mündliche Präsentation, das Rollenspiel und die Gruppendiskussion. Diese Elemente können noch durch Fallstudien, Tests und Interviews ergänzt werden.
Augenscheinvalidität
Der unbewiesene Anschein, dass die Items eines Tests das zu messende Merkmal gut erfassen. Augenscheinvalidität trägt zur Akzeptanz eines Verfahrens bei Laien bei.
Design
Als Design bezeichnet man die Anlage einer wissenschaftlichen Studie. Wichtige Unterschiede im Design sind z.B. die experimentelle versus die korrelative oder die längsschnittliche versus die querschnittliche Anlage einer Studie.
Deskriptive Statistik
Mathematische Verfahren zur Beschreibung der in einer Studie untersuchten Variablen. Typische Parameter sind Maße der zentralen Tendenz (z.B. Mittelwert) und Variation (z.B. Varianz).
Doppelanalyse
Eine Methode zur Überprüfung der Reliabilität von bedingungsbezogenen Arbeitsanalyseverfahren. Hierbei wird eine bestimmte Arbeitstätigkeit, die von unterschiedlichen Beschäftigten ausgeführt wird, von verschiedenen Untersuchern analysiert. Das Ausmaß der Untersucherübereinstimmung kennzeichnet zum einen, inwieweit das Verfahren unabhängig von den jeweiligen Untersuchern ist (Objektivität), da Analyseergebnisse mehrerer Untersucher verglichen werden. Zum anderen können Aussagen darüber getroffen werden, wie stabil das Verfahren gegenüber den verschiedenen Auftragsbearbeitungen ist, da zum Zeitpunkt der Analyse die Beschäftigten jeweils unterschiedliche Arbeitsaufträge bearbeiten.
Emotionale Intelligenz
Ein (umstrittenes) Konstrukt, das sich auf die Fähigkeit von Personen bezieht, in sozialen Interaktionssituationen eigene und fremde emotionale Reaktionen erfolgreich zu steuern.
Ethisch-moralische Grundrechte
Ethisch-moralische Grundrechte von Personen (wie z.B. das Recht auf rationale Selbstbestimmung, Würde, psychische und soziale Unversehrtheit) dürfen weder in psychologischen Untersuchungen noch in betrieblichen Verfahren (z.B. Personalauswahl, Personaleinsatz) verletzt werden.
Experiment
Als Experiment bezeichnet man Studien, bei denen die Untersuchungsteilnehmer zufällig unterschiedlichen Bedingungen zugeteilt wurden (z.B. unterschiedlichen Arbeitspausen). Diese Bedingungen müssen systematisch vom Versuchsleiter hergestellt worden sein (experimentelle Manipulation), um den Einfluss einer unabhängigen auf eine abhängige Variable zu untersuchen (z.B. Pausenanzahl auf die Arbeitsleistung pro Tag). Alle anderen möglichen Einflüsse auf die abhängige Variable (z.B. Arbeitsbedingungen, Ausbildung, Alter, Geschlecht, etc.) müssen dabei kontrolliert werden.
Faktorenanalyse
Mathematisches Verfahren zur Entdeckung (explorative Faktorenanalyse) oder Überprüfung (konfirmatorische Faktorenanalyse) von gemeinsamen Dimensionen der verschiedenen Items eines Messinstrumentes (z.B. eines Tests).
Forschungsethik
Sie dient der Sicherstellung der unverfälschten Publikation von Forschungsergebnissen, der Vermeidung unnötigen Leides von Versuchspersonen oder Versuchstieren sowie der angemessenen Berücksichtigung aller am Forschungsprozess beteiligten Personen.
Hypothese
In einer wissenschaftlichen Hypothese wird der Zusammenhang zwischen zwei oder mehreren Variablen vorhergesagt. Eine wissenschaftliche Hypothese bringt also zum Ausdruck, welche Erwartungen die forschende Person darüber hat, wie z.B. der Zusammenhang zwischen der Trainingsmodalität (mit oder ohne Zielsetzung) und der Leistung nach dem Training ausfallen wird.
Inferenzstatistik
Mathematische Verfahren zur Überprüfung, ob sich Zusammenhänge oder Unterschiede, die in einer Stichprobe gefunden wurden, auf eine Grundgesamtheit (Population) verallgemeinern lassen. Dazu werden Signifikanztests durchgeführt.
Inhaltsvalidierung
Der Nachweis, dass ein Personalauswahlinstrument den Gegenstandsbereich (z.B. Leistungsmotivation), auf den es sich bezieht, in relevanten Bereichen abdeckt
Konsequenzvariable
Als Konsequenzvariable (abhängige Variable, Kriterium) bezeichnet man die Dann- bzw. Folgenkomponente einer empirischen Wenn-dann-Aussage (Hypothese). Wenn beispielsweise Aufgaben schwierig, aber erreichbar sind, strengen sich Personen mehr an als bei leichten Aufgaben. Die Variable Anstrengung ist hier die Konsequenzvariable.
Konstruktvalidierung
Überprüfung der faktoriellen, konvergenten und diskriminanten Validität eines psychologischen Messinstrumentes
Kontrolltechniken
Als Kontrolltechniken bezeichnet man Gestaltungsformen von psychologischen Untersuchungen mit Bedingungsvariation, die darauf abzielen, den Einfluss von potenziellen Störvariablen auf die untersuchte abhängige Variable auszuschalten. Die wichtigsten Kontrolltechniken sind Konstanthalten, Randomisieren, Parallelisieren und Ausbalancieren.
Kontrollvariable
Als Kontrollvariable bezeichnet man vermutete Einflussgrößen auf eine Konsequenzvariable, die die Wirkung von im Mittelpunkt einer Untersuchung stehenden Antezedenzvariablen so überlagern könnten, dass der eigentliche Effekt der Bedingungsvariablen abgeschwächt oder vollkommen überdeckt werden könnte. Um dies zu verhindern, werden diese Variablen in der Studie kontrolliert, z.B. durch Konstanthalten. Wenn man z.B. die Auswirkung verschiedener Trainingsmethoden auf die Leistung untersuchen will und vermutet, dass die Leistung auch vom Geschlecht und Alter abhängt, sollte man die Studie mit geschlechts- und altersgleichen Gruppen durchführen. Kann man Geschlecht und Alter aber nicht konstant halten, sollte man sie erfassen und ihren Einfluss auf die Konsequenzvariable Leistung ermitteln, ehe man den Einfluss der verschiedenen Trainingsmethoden untersucht. In diesem Fall sind Alter und Geschlecht die Kontrollvariablen.
Konzeptuelles Kriterium
Das Konstrukt (z.B. Arbeitsleistung), das der aktuellen Kriteriumsmessung (z.B. Vorgesetztenbeurteilungen) zugrunde liegt
Mediatorvariable
Eine Mediatorvariable ist ursächlich für die Verknüpfung einer Bedingung und deren Wirkung. Beispielsweise bewirkt die Bedingung „spezifische, schwierige, aber erreichbare Ziele“ eine Erhöhung der Arbeitsleistung, weil ein solches Ziel u. a. zu einer Anstrengungssteigerung führt. Die Anstrengungssteigerung verknüpft hier also eine Bedingung und deren Wirkung.
Metaanalyse
Die Metaanalyse ist eine mathematische Zusammenfassung der Befunde aus verschiedenen Stichproben oder Studien zu einem bestimmten Untersuchungsgegenstand, wie z.B. zum Zusammenhang von Intelligenz und Leistung am Arbeitsplatz.
Modelfit
Unter Modelfit versteht man das Ausmaß der Übereinstimmung (Passung) zwischen einem statistischen Modell und den vorliegenden Daten.
Moderatorvariable
Als Moderatorvariable bezeichnet man eine Variable, die die Beziehung zwischen zwei anderen Variablen beeinflusst. Wenn z.B. bei geringen Fähigkeiten kein Zusammenhang von Anstrengung und Leistung besteht, aber bei hohen Fähigkeiten mehr Anstrengung auch mit höherer Leistung verbunden ist, bezeichnet man die Variable Fähigkeiten als Moderatorvariable.
Normierung
Gütekriterium von Auswahlverfahren. Ein allgemeines Bezugssystem, um die Ergebnisse bzw. das Abschneiden von einzelnen Personen im Vergleich zur Gesamtgruppe (Population) einordnen zu können.
Nullhypothese
Die Nullhypothese besagt, dass keine systematische Beziehung (z.B. Zusammenhang oder Unterschied) zwischen mindestens zwei Variablen in einer Population besteht.
Objektivität
Unter Objektivität als Gütekriterium von Instrumenten der Personalauswahl versteht man, dass die Ergebnisse einer begutachteten Person unabhängig davon sein sollen, wer das Auswahlinstrument administriert, Verhaltensübungen beobachtet oder ein Interview durchführt (Objektivität der Durchführung), auswertet (Objektivität der Auswertung) oder interpretiert (Objektivität der Interpretation).
Population
Als Population bezeichnet man die Grundgesamtheit von Personen, auf die Forscher ein Untersuchungsergebnis verallgemeinern möchten (z.B. Mitarbeiter, Vorgesetzte, Kunden etc.). Deshalb ist eine Population die Gesamtheit aller einschlägigen Stichproben.
Quasi-Experiment
Ein Quasi-Experiment ist eine Studie mit systematischer Bedingungsvariation, bei der jedoch keine vollständige randomisierte Zuweisung der Untersuchungsteilnehmer zu den variierten Bedingungen vorliegt, wie z.B. häufig dann, wenn Geschlechtsuntersschiede untersucht werden.
Regressionsanalyse
Als Regressionsanalyse bezeichnet man ein statistisches Auswertungsverfahren, bei dem eine oder mehrere Konsequenzvariablen (Kriterien) in Beziehung zu einer oder mehreren Antezedenzvariablen (Prädiktoren) gesetzt werden, um zu ermitteln, in welche Richtung und in welchem zahlenmäßigen Umfang sich die Kriterien verändern, wenn sich die Prädiktoren um eine bestimmte Maßeinheit verändern.
Reliabilität
Darunter versteht man die Genauigkeit, mit der ein Verfahren in einer bestimmten Stichprobe oder Population misst, was es messen soll.
Signifikanz
Unter Signifikanz versteht man die statistische Wahrscheinlichkeit einer systematischen Beziehung von zwei oder mehr Variablen. Je höher die Signifikanz, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Beziehung der Variablen rein zufällig ist.
Stichprobe
Als Stichprobe bezeichnet man die Teilnehmer einer Studie.
Test
Unter einem psychologischen Test versteht man ein standardisiertes, routinemäßig anwendbares Verfahren zur Messung individueller Verhaltensmerkmale, aus dem Schlüsse auf Eigenschaften der betreffenden Person oder ihr Verhalten in anderen Situationen gezogen werden können. Es handelt sich dabei häufig um publizierte Verfahren, die über den Testhandel bezogen werden können.
Theorie
Eine Theorie stellt in der wissenschaftlichen Psychologie ein Modell zur Erklärung eines bestimmten Phänomens dar.
Validität
Nach traditionellem Verständnis ist die Validität eines Instrumentes dann gegeben, wenn ein Instrument das gültig bzw. zutreffend erfasst, was es erfassen soll. Als Validität bezeichnet man daher die Gültigkeit von Schlussfolgerungen, die bei Vorliegen eines bestimmten Ergebnisses gezogen werden dürfen. Erfüllt beispielsweise eine Skala zur Leistungsmessung das Kriterium der Validität, dann kann man aus einem Skalenwert, der im Bereich der höchsten 10% liegt, schließen, dass eine Person, die einen solchen Skalenwert hat, zu den 10% der Leistungsbesten gehört.
Variable
Eine Variable ist ein Merkmal eines Sachverhaltes (z.B. ein Trainingsprogramm für Mitarbeiter) oder von Personen (z.B. die Leistung eines Mitarbeiters), das unterschiedliche Ausprägungen hat.

Material

In Kürze
Zusammenfassung des Kapitels
Glossar
Die wichtigsten Fachbegriffe schlüssig erklärt
Memocards
Lernen Sie mit unseren Memocards die wichtigsten Begriffe der Arbeits- und Organisationspsychologie
Memocards Deutsch/Englisch
Man spricht Englisch - zumindest in der Wissenschaft: Hier können Sie die Übersetzungen der wichtigsten Fachbegriffe lernen.
Links
Was es sonst noch so gibt in der schönen neuen World Wide Welt der Arbeits- und Organisationspsychologie.